Archive for Mai, 2008

Land und Leute – Teil 8 – Ein Rätsel zum Schluss

Donnerstag, Mai 22nd, 2008

Dies wird wohl der letzte Eintrag in der Rubrik „Land und Leute“ sein. Natürlich konnte ich hier nicht über alles berichten, aber ich habe mein Bestes getan, um Euch einen kleinen Einblick in das „Leben in Mexiko“ zu geben. Es gibt noch tausende andere Dinge, die mir einfallen, aber leider reicht die Zeit nicht mehr aus. Also werde ich den Rest einfach erzählen, wenn ich wieder da bin. Ein Grund mehr, Euch mal alle wiederzusehen. Ich freue mich jedenfalls schon.

Ich hatte eine tolle Zeit hier, aber so langsam heißt es auch Abschied zu nehmen. Für mich von Mexiko und für Euch vom Blog… 😉 Aber keine Angst, ein paar Einträge kommen ja noch.

Jetzt zum heutigen Thema: Wer nach Mexiko kommt, sollte aufgrund des nicht ganz ungetrübten Verhältnisses zu den Amerikanern und der allgegenwärtigen Abneigung gegenüber der englischen Sprache zumindest ein paar spanische Grundkenntnisse haben. Was aber mindestens genauso wichtig ist, ist ein Crashkurs in aztekischen, toltekischen oder zapotekischen Namen. Denn auch wenn die Landessprache Spanisch ist, so haben sich in vielen Regionen indianische Sprachen gehalten und werden noch heute aktiv genutzt. Vor allem an den Namen von Dörfern und Städten lässt sich die Aussprache… gut üben.

Deshalb heute Lektion 1 bis 3:

1. Fangen wir mal leicht an: Cholula ist machbar und Atlixco oder Tasko auch (wenn man weiß, wie es ausgesprochen wird – aufmerksame Leser wissen Bescheid!).

2. Schwieriger wird es dann schon bei Cuautlancingo, Tlacolula, Xomichilco, Oaxaca und Tehutihuacan.

3. Ganz toll wird es aber bei:

Tlaxtaptepetl,

Izztahuate,

Tlatocingopetl,

Tlaxcalatepec,

Itzamamitlan,

Teonotichlán,

Txinchgotihuatl,

Tlaquepaque,

Xochicuataplingo,

oder Actzepectecán.

Wer errät, welche drei Namen aus der letzten Liste nicht ausgedacht sind, gewinnt ein kleines Souvenir aus México. Einsendungen bitte ab sofort an Gewinnspiel@christianglaus.de (das ist kein Scherz, die e-Mail-Adresse gibt es wirklich…).

Viel Glück!!!

Einsendeschluss ist der 1. Juni 2008 um 17:20 Uhr MEZ, der Zeitpunkt, an dem ich wieder in Deutschland landen soll. Ihr habt also exakt 10 Tage Zeit, Euch was einfallen zu lassen.

Meine letzte Praktikumswoche…

Freitag, Mai 16th, 2008

… geht morgen zu ende. Was? Ups! Ehrlich?

Schnell ist die Zeit vergangen, kann ich nur sagen… Für ein richtiges Schlussfazit ist es noch zu früh, aber die Zeit, die ich hier gewesen bin, ist sehr schön gewesen und ich habe viel gesehen und erlebt. Und natürlich hatte ich eine wirklich interessante Arbeit und hab viele nette Leute kennengelernt. Aber dazu werde ich bestimmt nochmal was schreiben…

Aber wie gesagt: Morgen ist mein letzter Arbeitstag und dann geht es erstmal für zwei Wochen auf „Abschlussreise“. Schließlich muss ich mich ja noch gebührend von diesem Land verabschieden. Und natürlich werden davon auch noch Bilder folgen und es wird noch ein paar Abschlussworte geben, aber so langsam könnt Ihr Euch auf den Abschied vom Blog vorbereiten. 😉

Um nicht den „Überblick“ zu verlieren, nochmal eine kleine Übersicht über alles, was ich hier gesehen habe. Da ist schon einiges zusammengekommen, wie ich festgestellt habe. Gestern Abend habe ich auf meiner Abteilungsabschiedsfeier mit einem meiner Kollegen darüber gesprochen, dass ich Mexiko wahrscheinlich besser kenne als er und er dafür Deutschland besser kennt als ich. Ich glaube, da ist was Wahres dran… Ich hoffe, ich konnte Euch mit diesem Blog wenigstens einen kleinen Einblick geben?!

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In den schwarz gekennzeichneten Orten bin ich schon gewesen, die rot markierten werden in den nächsten 14 Tagen folgen – zur größeren Ansicht wie immer auf das Bild klicken bitte 😉

Ein zweites Mal in die Hauptstadt

Mittwoch, Mai 14th, 2008

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Diesmal folgt dem Wochenende nur ein kurzer Bericht, denn ich bin zum zweiten Mal in Mexiko-City gewesen. Was soll ich sagen… die Stadt ist immer noch riesig, dreckig, laut, gefährlich und unübersichtlich (Hinweis auf den Beitrag vom 18. Februar). Aber sie ist auch immer noch interessant.

Wir sind am Samstag früh morgens mit dem Bus losgefahren und Sonntag am frühen Abend wieder hier gewesen. Gleich am Vormittag haben wir mit einer fast dreistündigen Stadtrundfahrt begonnen, die einen wirklich tollen Überblick über alles „Interessante“ im direkten Innenstadtgebiet gibt. Daran angeschlossen haben sich die typischen Spaziergänge durch das historische Stadtzentrum samt Zócalo, Kathedrale und allem was es sonst so gibt. In D.F. ist man für diese Dinge zwar etwas länger unterwegs, aber grundsätzlich ist es ja immer das Gleiche… 😉

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oben: Stadtteil Condesa / unten: am Zócalo und am Schloss Chapultepec

Bevor es dunkel wurde sind wir auf den Torre Latinoamericana gefahren und so konnte ich diesmal auch Bilder bei Tageslicht machen. Zwar hat der Smog ein bisschen dazwischengefunkt, aber es war trotzdem wieder beeindruckend…

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Die ganze Lauferei und vor allem die Sonne bei unserer Bustour hat uns alle so geschafft, dass wir den Abend ruhig im Hostel verbracht haben… ich weiß, so kennt man uns gar nicht 😉

Am nächsten Tag sind wir im Park und am Schloss Chapultepec gewesen. Da war ich zwar beim ersten Mal auch, aber diesmal war noch eine weitere Ausstellung zu sehen und dadurch auch wieder etwas Neues. Später haben wir dem Anthropologischen Museum einen Besuch abgestattet, in dem fast die gesamte Geschichte Mexikos und der zahlreichen Indígena-Stämme dargestellt wird.

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Am und im anthropologischen Museum

Am Nachmittag haben wir uns den Stadtteil Condesa angesehen, der als einer der schönsten Mexiko-Citys gilt und auch tatsächlich ganz schön und vor allem unerwarteterweise ruhig und beschaulich ist.

Ach ja… und dann war ich mir zwischendurch nicht mehr so ganz sicher, in welcher Stadt ich eigentlich bin… 😉

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Ausflug nach Berlin: Links die Siegessäule, rechts der Potsdamer Platz

San Miguel de Allende, Guanajuato, Guadalajara, Tequila, Pátzcuaro und Morelia

Samstag, Mai 10th, 2008

Am vergangenen langen Wochenende haben wir die angekündigte Tour in den „mittleren Westen“ Mexikos hinter uns gebracht und die Bundesstaaten Guanajuato, Jalisco und Michoacán besucht. Zusammenfassend kann ich sagen, es war eine tolle Tour, auf der wir viel Spaß hatten, viel gesehen und erlebt haben und die erstaunlich zwischenfallsfrei abgelaufen ist. Das Wichtigste also vorweg: Wir sind alle wieder wohlbehalten und sicher in Cholula angekommen – da haben wir ja auch schon ganz andere Erfahrungen gesammelt.
Ich werde es mir verkneifen zu jeder Stadt „historische Hintergrundinformationen“ zu liefern – schließlich sind meine Text schon immer so lang 😉 – deswegen zunächst mal die harten Fakten unserer Tour:

  • Wir hatten fünf freie Tage,
  • haben 1.900 Kilometer zurückgelegt,
  • hatten dazu 2 Autos zur Verfügung,
  • waren 8 Personen (2 Mexikaner und 6 Praktikanten aus meiner WG,
  • haben 6 Städte/Orte besichtigt, 4 davon waren richtig schön,
  • hatten meist um die 30°C, nur einmal auf der Rückfahrt ein bisschen Regen (da die Regenzeit immer näher rückt, häufen sich die abendlichen Schauer inzwischen eigentlich… aber wir hatten Glück),
  • haben unzählige Sachen gesehen,
  • und sind an vier Abenden hintereinander nicht vor 3-4 Uhr morgens im Bett, aber trotzdem immer zeitig unterwegs gewesen.

Mittwochabend und Donnerstag – San Miguel de Allende

Am Mittwochabend ging es direkt nach der Arbeit los nach San Miguel. Zum Glück konnten wir México-Stadt ein Stück weit umfahren, so dass wir dem gröbsten Verkehr ganz gut aus dem Weg gehen konnten. Kurz vor Mitternacht sind wir in dem kleinen beschaulichen Städtchen angekommen und haben den Urlaub mit einem Besuch in einer Karaoke-Bar angefangen. Von lustig über interessant und anstrengend, bis hin zu richtig gut war alles dabei… wir hatten jedenfalls unseren Spaß.

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Am nächsten Morgen haben wir uns dann die Stadt angesehen, die wirklich nett ist. Man könnte auch sagen, es ist ein verschlafenes Nest, aber es hat durchaus seinen eigenen Charme… Die Altstadt mit ihren kleinen Gassen, bunt bemalten Häusern, Brunnen und Kirchen strahlt eine wirklich angenehme Ruhe aus – eben fast wie im Urlaub. 😉
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Aber auch nur fast, denn schon am Nachmittag ging es dann weiter in Richtung Guanajuato. „Gefühlt“ ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates ein bisschen größer, aber ebenso wie San Miguel hat sie nur knapp über 100.000 Einwohner… Nachdem wir uns ein Hotel gesucht hatten, wurde auch hier zuallererst einmal das Nachtleben erkundet.

Donnerstagabend und Freitag – Guanajuato

Der Donnerstag endete dementsprechend spät, aber ebenso früh fing der Freitag an… Guanajuato liegt in einem engen Tal und ist deshalb recht verwinkelt, besitzt unzählige kleine enge und steile Straßen und ist auf einem umfangreichen Tunnelsystem erbaut. Fast unter der gesamten Stadt gibt es diese Tunnel, die teilweise durch alte Flussläufe und Minenschächte verlaufen und in denen es richtige Abfahrten, Abbiegespuren, Parkplätze und Bushaltestellen (erreichbar über Treppen hinab in die Dunkelheit) gibt! Angeblich bricht in der Stadt regelmäßig der Verkehr zusammen, wenn sich in der Regenzeit das Wasser dort sammelt.

Jetzt aber zurück an die Oberfläche: Die Universitätsstadt ist schon ein bisschen lebhafter als San Miguel, obwohl auch hier die bunten Häuser und das Treiben auf der Straße einen relaxten Eindruck hinterlassen. Die frühere Silberstadt, die maßgeblich zum Reichtum der spanischen Eroberer beitrug, hat eine richtig schöne Altstadt mit allem was dazu gehört. Von der Statue El Pipila hat man einen guten Ausblick auf die sich im Tal ausbreitende Stadt.

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Ausblick auf Guanajuato (oben) – unten noch ein paar andere Eindrücke:

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Guanajuato – von oben links nach unten rechts: Häuser, Theater am Zócalo, Einfahrt in die „Tunnelwelt“, Universität

Nach dem Stopp an der Aussichtsstelle führte uns unser Weg weiter nach Guadalajara, der großen Metropole des Westens. Die zweitgrößte Stadt Mexikos hat ungefähr 5 Millionen Einwohner, erstreckt sich aber wie die meisten Städte Mexikos kilometerweit in der Ebene. Hohe Häuser sucht man vergebens, lediglich ein paar Hotels im Stadtzentrum erheben sich über die anderen. Nachdem wir ein halbwegs vernünftiges Hotel gefunden hatten, richtig… wurde zuerst mal wieder das Nachtleben erkundet. 😉

Nachdem wir mit dem zufällig ausgewählten Taxifahrer ein bisschen ins Gespräch gekommen waren, haben wir seine Handynummer bekommen und er hat uns sowohl in der Nacht wieder ins Hotel gefahren, als auch am nächsten Abend nach vereinbartem Festpreis zu einem seiner Geheimtipps gebracht, der sich als wirklich gut herausgestellt hat. Als Euro-Münzen-Sammler enttarnt, konnten wir die gut viertelstündige Fahrt durch die Stadt mit 4 Euro bezahlen, die wir zufällig dabei hatten…

Samstag – Tequila

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Am nächsten Morgen haben wir einen Abstecher ins rund eine Stunde entfernte 40.000 Einwohner-Städtchen Tequila gemacht. Tequila ist nicht gerade die ärmste Stadt Mexikos. Ich kann mir aber nicht erklären, woran das liegt… hat mit dem Export irgendeines mir unbekannten Getränkes zu tun.

Um mehr darüber zu lernen, haben wir „spontan“ zwei Destillerien dieses aus dem Herz der blauen Agave gewonnenen Feuerwassers besichtigt. Dabei haben wir gelernt, dass eine Agave sechs bis acht Jahre wächst, das Herz ca. 150 Kilogramm wiegt und aus einer Pflanze dann rund 12-15 Liter Tequila gewonnen werden können.

Nachdem wir in beiden Brennereien die Verköstigung hinter uns gebracht hatten, war der Tag eigentlich gelaufen… 😉 Denn schließlich mussten wir jeweils die fünf angebotenen Sorten probieren. Denn es wird nicht nur zwischen dem in Deutschland allgemein bekannten weißen und goldenen Tequila unterschieden, sondern noch zwischen weiteren „dunkleren“ Sorten, die jeweils eine gewisse Zeit in Eichenfässern lagern und dadurch einen fast Whiskey-ähnlichen Geschmack bekommen. Durchaus zu empfehlen… 😉

Wo ich schon einmal dabei bin ein bisschen Theorie zu erzählen, kann ich ja auch noch erwähnen, dass etwa 80% der Tequila-Produktion aus dem Bundesstaat Jalisco stammen. Und, dass der im weltweit zweitgrößten Tequila-Markt Deutschland so bekannte Sierra Tequila mit dem roten Hut (75% Marktanteil) diplomatisch ausgedrückt, nicht unbedingt der beste Tequila des Landes ist und industriell in Guadalajara produziert wird.

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Oben: Tequila-Produktion, sowie diverse Abfüllmöglichkeiten: 5 Liter Kanister oder Flaschen in allen erdenklichen Farben und Formen

Unten: México, wie man es sich vorstellt: Staubige Straßen, Sand, Agaven, einsame Eisenbahnschinen (auf dem Weg nach Tequila); zweites Bild: Ja, einen Zócalo mit schöner Kirche gibt es in Tequila auch 😉

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Sonntag – Guadalajara

Der Sonntag bestand dann in der Erkundung Guadalajaras. Von den 5 Millionen Einwohnern merkt man aber nicht viel, denn die Stadt ist im Vergleich zu Mexiko-City viel beschaulicher und nicht so überfüllt. Da sich die Beschreibungen langsam gleichen, beschränke ich mich mal auf die Stichworte: Historisches Stadtzentrum, Zócalo, Kathedrale, rumlaufen, Fotos machen, interessant, nett, schön… und die Fotos: 😉

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Sonntagnachmittag haben wir dann die erste Etappe der Rückfahrt auf uns genommen und sind in rund dreistündiger Fahrt in den Nachbarstaat Michoacán nach Pátzcuaro gefahren. Pátzcuaro ist ein verschlafener indianischer Ort an einem gleichnamigen See, der angeblich einer der schönsten des Landes sein soll. Naja, das braune und schlammige Wasser hat auf mich jedenfalls keinen schönen Eindruck gemacht. Den Abend haben wir ganz ruhig in dem kleinen Nest verbracht und sind tatsächlich schon mal um 1 Uhr im Bett gewesen. 😉

Am nächsten Morgen sind wir dann zu einer Bootstour auf dem See aufgebrochen, die uns zu einer Insel mit einer riesigen Statue des mexikanischen Unabhängigkeitskämpfer Morelos gebracht hat. Nach dem Aufstieg auf die Erhebung auf der Insel sind wir natürlich auch auf die Statue geklettert, um den Ausblick auf den See zu genießen. War ganz ok, mehr aber auch nicht.

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Pátzcuaro – Ort und See, bzw. Insel mit Statue

Alles in allem war es aber ein netter Abschluss unserer Reise und da wir alle geschafft waren, von den Erlebnissen der letzten Tage, sind wir auf der Rückfahrt mit dem Boot alle eingeschlafen. 😉

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Zócalo von Morelia

Danach ging es dann über Morelia, wo wir wirklich nur kurz ins Zentrum gefahren sind, um einen kleinen Eindruck von der Stadt zu bekommen, zurück nach Puebla. 7 Stunden Fahrt, inklusive 2 Stunden Stop-and-go quer durch Mexiko-City haben uns dann den Rest gegeben. Müde, erschöpft, aber auch zufrieden sind wir kurz nach Mitternacht wieder da gewesen und nur noch ins Bett gefallen, bis am Dienstagmorgen um 6:30 Uhr wieder der Wecker geklingelt hat…

Noch ein paar „andere“ Eindrücke unserer Reise… oben der Hinweis aus dem Parkhaus „Schließ Dein Auto mit dem Schlüssel ab“ – mit was denn sonst?, in der Mitte der gute OXXO-Café (vgl. vorherigen Eintrag), der zum Wachwerden optimal ist und unten mexikanisches „Kunsthandwerk“: Ein Schlüsselbrett wie es in jeden guten Haushalt gehört… 😉

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