Land und Leute – Teil 6 – Staub, Abgase, Müll, Qualm, Feuer, Feuerwerk, Lärm, Eruptionen, Erdbeben…

Da ich das letzte Wochenende zu Hause verbracht habe, kann ich leider nichts Neues berichten. Also lasse ich die gute alte Land-und-Leute-Rubrik wieder aufleben… denn ich kann es mir nicht nehmen lassen, etwas dazu zu sagen, wie gesund man doch hier leben kann: Gesundheit? Lärmschutz?? Umweltschutz???… die Liste unbekannter Fremdwörter in México ist lang. Jedenfalls gibt es für keines dieser Wörter eine überzeugende „Übersetzung“ in den Alltag. 😉

Dazu eine kleine Geschichte: Jeden Morgen fährt ein Pick-Up durch die Straßen von Cholula, von dessen Ladefläche aus frisches Obst verkauft wird. Ein enormer Lautsprecher beschallt dabei die gesamte Umgebung lautstark mit dem immer wieder kehrenden Werbespruch und dazu passender Musik. Unterbrochen wird diese beschauliche Morgenidylle etwa jeden dritten Tag durch Feuerwerk hier im Ort, das sowohl am Nachmittag, als auch um 2 Uhr nachts oder um 6 Uhr am Morgen seinen Höhepunkt erreicht haben kann. Wieder einmal wird einer der zahlreichen Schutzheiligen mit Riesenböllern gefeiert, deren Lautstärke sogar auf polnischen Feuerwerks-Schwarzmärkten Aufsehen erregen würde.

Da stört es schon fast gar nicht, wenn mal wieder ein LKW mit zwei Auspuffen groß wie Abflussrohre vorbeifährt und beim Beschleunigen eine Klangfontäne ausstösst, die jeden startenden Düsenjet in den Schatten stellt. Die riesigen schwarzgrauen Abgaswolken, die in den Häuserschluchten verteilt werden, senken sich bedrohlich langsam herab und vermischen sich langsam mit dem aufsteigenden Qualm der brennenden Böschung, die sich einfach so mal wieder entzündet hat.

Ich glaube die Messgeräte, die in Deutschland zur Bestimmung der Feinstaubbelastung benutzt werden, könnten hier gar nicht eingesetzt werden, weil ständig das obere Ende der Skala erreicht wäre. „Lungenfreundlich“ ist die Luft hier ganz bestimmt nicht. Doch nicht nur die brennende Böschung, die glimmenden Felder oder andere lodernde Feuerwalzen rufen ein beißendes Kratzen in den Atemwegen hervor. Oft wird auch einfach der Müll verbrannt, der im Laufe des Tages anfällt (und das ist nicht wenig!). Dabei ist es egal, ob zur Verbrennung eine Feuertonne verwendet wird oder einfach ein kleiner Haufen am Straßenrand angehäuft wird. Wichtig ist, dass so viel Kunststoff oder Gummi wie möglich mit verbrannt wird, denn nur dann ist es ein echtes mexikanisches Feuer. Und Kinder merkt Euch: Zum Anzünden eignen sich immer ein paar leere PET-Flaschen!

Nicht nur unterwegs oder am Straßenrand sieht man ständig irgendwo Rauchsäulen aufsteigen oder riesige schwarze Flächen, die komplett verkohlt sind, sondern auch zu Hause dringt ab und zu beißender Qualm in mein Zimmer. Gerade jetzt ist es auch wieder so, aber ich will gar nicht wissen, was dort wieder brennt. Ich hab schon alle Fenster geschlossen, aber es zieht trotzdem durch die Ritzen…

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Fenster zu, Klimaanlage aus, Umluft an – und durch (man entwickelt Routine)!

Wenn der Müll nicht verbrannt wird, kann man ihn auch einfach aus dem Autofenster entsorgen. Kaum eine größere Straße ist nicht von Plastikflaschen, Pappkartons, Getränkedosen, Plastiktüten oder sonstigem Müll gesäumt. Doch nicht nur der Müll, die Abgase und die Verbrennungsrückstände machen zu schaffen, auch die extrem trockene Luft hier in der Höhenlage, gepaart mit einer sehr hohen Staubdichte sind nicht gerade angenehm für die Schleimhäute. Wenn man ein frischgewaschenes Auto abends abstellt (einmal monatlich „müssen“ wir unsere Autos für eine kleine Inspektion waschen), kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass am nächsten Morgen eine dicke Staubschicht darauf zu finden ist. Denn zu guter Letzt spuckt auch der Popo tagtäglich seine Rauchwolke in die Luft, die vom Wind meist im ganzen Hochtal von Puebla verteilt wird.

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Der Popo am Abend – na was spuckt der denn wieder?

Apropos Popo, ein paar weitere „natürliche Umweltbelastungen“ gibt es ja auch noch, auch wenn sich diese nicht in den Atemwegen oder durch Ohrensausen bemerkbar machen: Erdbeben und Vulkanausbrüche. Nicht umsonst wird in öffentlichen Gebäuden, z.B. im VW-Werk, aber auch in Diskotheken oder Supermärkten mit Hinweisschildern darauf vorbereitet, wie man sich im Fall eines Erdbebens verhalten soll. Dazu gibt es ein gemeinsames Schild für das Verhalten im Brandfall (auch aus Deutschland bekannt), das um ein paar Hinweise für den Fall „wackelnder Erde“ erweitert ist. Seit ich hier bin, hat es schon zwei Erdbeben gegeben, wobei ich zugeben muss, dass ich davon nichts mitbekommen habe. Muss ja auch nicht unbedingt sein.

Da gehe ich lieber wieder raus zum Obstverkäufer und kaufe eine von Ruß- und Feinstaubpartikeln überzogene Orange. Auf die Plastiktüte verzichte ich, die kann jemand anders verbrennen… mit meinem letzten Streichholz habe ich vor kurzem den TNT-Böller vor einer Kirche gezündet, um der Jungfrau von Guadalupe zu gedenken. 😉

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